Annemarie Imhof
Meine Großmutter, die Baronin

Zwei reiche Jüdinnen – Hildegard und ihre 20-jährige Tochter Annemarie – konvertieren 1924 zum Katholizismus, um vollwertige Mitglieder der Wiener Gesellschaft zu werden. Annemarie heiratet ein Jahr später Paul Baron Imhof von Geisslinghof: Geld gegen Adelsprädikat, das es in Österreich offiziell gar nicht mehr gibt – das ist das Arrangement!

Annemarie heiratet in eine Dynastie ein, deren Wurzeln sich bis 1246 zurückverfolgen lassen. Die Gesichter der Ahnengalerie spiegeln Tragödien und Siege abendländischer Geschichte, der Handel mit Fernost und der aufkommende Kolonialismus bringen ein wirtschaftliches Erstarken und eine neue weltpolitische Rolle Europas mit sich. Um 1720 verlässt Marcus Jacob Imhof die angestammte Heimat Waldshut, wo die Imhofs Jahrhunderte lang Lehensherren waren, und begründet die österreichische Linie. Bis zur Barbarei des Nationalsozialismus ist die Familie über zwei Jahrhunderte eng mit dem geistigen und kulturellen Leben der Donaumetropole verbunden.

Im Laufe ihres Lebens wird Annemarie Imhof zu einer Grande Dame der Wiener Gesellschaft. In einer Mischung aus persönlichen Erinnerungen, Anekdoten, historischen Rückblenden und kolonial- und zeitgeschichtlichen Ereignissen erzählt der Autor die Geschichte vieler Leben, in deren Mittelpunkt – über all die Zeiten hinweg – seine Großmutter Annemarie, die Baronin steht.

Andreas J. Obrecht

272 Seiten. Weitra: Bibliothek der Provinz, 2018

Asha und der doppelte Schritt

 

Der Autor führt in seinem neuen Roman durch zwei Jahrhunderte und über drei Kontinente. Er lässt zwei Lebensgeschichten ineinander fließen, erzählt von einer afrikanischen Sklavin und einem in afrikanische Krisenregionen reisenden Wiener Journalisten. Der Roman ist eine historische, genealogische und erkenntnisphilosophische Spurensuche. Er verbindet die rationalistische Perspektive des Protagonisten mit magischen Phänomenen und Traditionen, die im afrikanischen Ahnenkult und in afro-karibischer Spiritualität wurzeln. Der Protagonist erkennt erst nach und nach die unterschiedlichen Dimensionen so genannter Wirklichkeit, die in ihm freilich von Jugend an existieren.

Andreas J. Obrecht

300 Seiten. Wien: Edition Marlit, Hora Verlag, 2010

Der König von Ozeanien

 

"Ich werde gehen... ich werde Marquis de Ray alias Charles de Bonaventure du Breil töten... Ich knöpfe mein Hemd zu, ziehe mir die Weste über, stecke die silberne Pistole in die Tasche. Sie ist geladen. Fünf Kugeln und dreihundertvierundfünfzig Menschenleben, die zwischen diesen Kugeln und ihrem Ziel liegen." Ein dramatisches Geschehnis scheint mt den ersten Sätzen des Romans auf seinen blutigen Höhepunkt zuzusteuern... Der idealistisch gesinnte André Prevost hat die Kugeln seinem Jugendfreund Charles de Bonaventure du Breil zugedacht. Dazwischen liegt eine lange Geschichte vom skrupellosen Ausnutzen der Paradiesträume von rund tausend Europäern, die um ihr Hab und Gut und oft auch um ihr Leben gebracht werden. In der Südsee soll das Paradies auf Erden liegen. Dort soll das Königreich "Nouvelle France" entstehen mit dem Marquis de Ray als König und dem von ihm hinters Licht geführten André Prévost als "Colonel". Was die aus dem krisengeschüttelten Europa dorthin Gelockten finden, ist jedoch die Hölle auf Erden: Schon die Schiffsfahrt wird zum Alptraum, und das Paradies entpuppt sich als malariaverseuchtes, unkultivierbares Sumpfland im Schatten eines wolkenverhangenen Vulkans, in dem die Ankömmlinge, sich selbst überlassen, von Krankheit und Entbehrungen dahingerafft werden. Gutgläubigkeit und Betrug, Zivilisationsmüdigkeit und Kolonialismus, Paradiesträume und reale Schrecknisse, Lüge und Rache. Andreas J. Obrecht entfaltet seinen historischen Roman vor dem Hintergrund eines sorgfältig dokumentierten Geschehens, das sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Frankreich und einer abgelegenen Insel im Südpazifik zutrug. Ein von der ersten bis zur letzten Seite spannendes Lesevergnügen über die Träume vom Paradies auf Erden und wie sie oft skrupellos ausgebeutet werden.

Andreas J. Obrecht

512 Seiten. Frankfurt: Brandes & Apsel, 2006

Geschichten aus anderen Welten
Eine Reise nach Neuguinea und Inselmelanesien, Ostafrika, Nepal und in die Karibik

Unsere erste Reise geht nach Neuguinea und nach Inselmelanesien. Vom zentralen Hochland der zweitgrößten Insel der Welt folgen wir den „Quellen des Sepik", driften mit einem selbstgebauten Floß den May-River ostwärts, um von der südpazifischen Küste schließlich zum Inselreich des Stillen Ozeans zu brechen. Unsere zweite Reise führt uns in das ehemalige Sultanat Sansibar, dessen Reichtum und Pracht aufgrund des Handels mit Sklaven und Elfenbein auch heute noch erahnt werden kann. Mit einer arabischen Segelschaluppe erreichen wir die ostafrikanische Küste. Von Dar es Salaam aus fahren wir durch die Weite der Serengeti bis zur nordwestlichen Grenze Tansanias, wo wir an den Ufern des Lake Victoria das Fischervolk der Yego und die Rinder haltenden Mura besuchen. Die dritte Reise beginnt in der nepalesischen Königsstadt Kathmandu und geht in den südöstlichen Solu-Khumbu, wo wir - am Fuße des Himalaya - insgesamt sieben Wochen zu Fuß unterwegs sein werden. Dabei werden wir der Gastfreundschaft von fünf Kulturen gleichermaßen begegnen wie den vielen Göttern und Göttinnen, die das Dach der Welt bevölkern, aber auch den maoistischen Rebellen. Unsere vierte und letzte Reise führt uns vorerst nach Französisch Guayana. Auf dem Landweg reisen wir nach Paramaribo, der Hauptstadt Surinames, von wo aus wir in das Amazonasgebiet gelangen, das nicht nur Indianern und den Nachfahren von entlaufenen Sklaven, sondern auch verwegenen Goldsuchern Schutz vor dem Rest der Welt bietet. Schließlich stechen wir in See: Auf der Insel Grenada begeben wir uns auf die Suche nach afrokaribischen Ritualen von Heilung und Verhexung und den Geheimnissen karibischer Gelassenheit.

Gemeinsam mit dem Buch erschien die ORF-Hörbuch-Edition: Geschichten aus anderen Welten. Akustische Forschungstagebücher: 4 jeweils 70-minütige CDs zu den Forschungen in Neuguinea, Ostafrika, Nepal und in der südöstlichen Karibik.

Andreas J. Obrecht

352 Seiten. Wien, Weimar: Böhlau, 2006

Lieder aus Weiß
Gedichte

Die Texte stellen eine Auswahl von Gedichten dar, die Großteils während weitläufiger Reisen in den letzten Jahren entstanden sind: Tanzania, Mozambique, Senegal, Gambia, Suriname, Grenada, Ägypten, Nepal, Indien. Und doch handelt es sich bei diesem Texten keinesfalls um Reisegedichte oder Reisebeschreibungen. Die Kulissen, durch die der Reisende wie ein Schatten streift, treten fast völlig in den Hintergrund. Dem Reisenden geht es um ein anderes Motiv.
Versessen und manisch richtet er das Objektiv seines inneren Auges auf eine einziges Thema: das Gefängnis der Liebe, das Gefängnis der Sprache, das Gefängnis der Körper. Egal wann sich der Reisende mit wem wo befindet – er atmet, lebt und reist, weil er sich in sich selbst gefangen weiß. Freiheit Befriedigung und Sinn treten als imaginative Selbstidentifikationen einer naiven Weltsicht auf. An ihnen geht der Reisende zumeist achtlos vorüber. Sein Tun, seine Bewegungen sind nutzlos, seine Zeit ist Anarchie. Mehr als Nichts kann man nicht haben. Und doch: solange der Verlust als Verlust empfunden wird und das Fremde nicht in der sogenannten Fremde, sondern in dem Entsetzen und Erstaunen über die eigene Existenz verborgen liegt, kann es keine Leere, kein Nichts, darin auch kein Verzeihen geben. Fremder als Fremd kann man nicht sein. Und doch spiegelt die Rückkehr an vertraute Orte – ob im Salzkammergut oder in den Wiener Ecken – eine seltsame Steigerung des Wissens um Fremdheit. Der Reisende wird von niemandem empfangen, wenn er zurückkehrt, der Reisende wird von niemandem verabschiedet, wenn er geht. So bleibt sein Tun ohne Erwiderung. Dies ist genau das, was er will, was ihn antreibt, was ihn fortgehen lässt.

Andreas J. Obrecht

Bochum: Edition Reinhard Deutsch, 2005

Das Staunen des Ezechiel
Libretto in vier Bildern zur Musik von Wolfgang Sauseng

Ich nahm diese Zeit – sie war süßer als Honig
Ich aß dein Buch – es war süßer als Honig
Wie weiße Farbe auf weicherem Stein

Das Libretto basiert auf Ezechiel 37, 1-14. Der Prophet wird in die Wüste geführt und dort von dem Herrn mit menschlichen Knochen konfrontiert, die er schließlich – nach Aufforderung durch den Herrn – zum Leben erweckt. In der säkularen Bühnenversion folgt Ezechiel seinen inneren Stimmen (Die Lichter, Die Bewegungen, Die Zentren, Die Tropfen), erweckt die Toten und schafft so seine eigene Welt. Eine Welt, die vorerst voll Schönheit ist, zusehends aber eitler und herrschsüchtiger wird. Ezechiel zerstört entsetzt seine eigene Schöpfung und findet schließlich Läuterung in der beredten Stille der Wüste.

Die Welturaufführung der Oper „Das Staunen des Ezechiel“ (Musik: Wolfgang Sauseng, Text: Andreas J. Obrecht) fand am 25. Februar 2002 unter der Leitung von Erwin Ortner in Wien statt. Die Oper ist im Musikverlag Alexander Meyer (2001) verlegt –ISMN: M-700214-04-3 (Klavierauszug), M-700214-05-0 (Orchesterstimmen – Leihmaterial), M-700214-06-7 (Partitur)

Andreas J. Obrecht

Bochum: Edition Reinhard Deutsch, 2002

Das Chaos der Unsterblichkeit
Never New York – Gedichte aus Blau – Promethea und Thanatos

Edition Mosaic bringt in diesem Band Texte von Andreas J. Obrecht, die um Liebe, Tod, Sehnsucht, Erkenntnis, Gewalt und Unsterblichkeit kreisen: Never New York, Gedichte aus Blau und Promethea und Thanatos sind ein Kaleidoskop unterschiedlichster philosophischer Perspektive – Etappen einer Zeit und Raum überschreitenden literarischen Reise.

Andreas J. Obrecht

248 Seiten. Dublin, New York, Wien: Edition Mosaic, 1999

Chimurenga
Eine afrikanische Reise

Im Zeit-Raum von vier Jahren können Imperien zerfallen, politische Terminologien obsolet werden und rassistische Regime sich jene Kosmetik verleihen, die sie vor den Augen der westlichen Welt salonfähig erscheinen lässt. Geschichte hingegen ist niemals ungeschehen zu machen. Was bleibt, sind die Spiele der Macht mit der Ohnmacht und die Schicksale jener Menschen, denen die Geschichte niemals einen Namen gibt. Zwei dieser Menschen sei diese Erzählung zugedacht – in Erinnerung an eine schöne, wenngleich auch beunruhigende Zeit.

Andreas J. Obrecht

120 Seiten. Frankfurt: Haag & Herchen, 1992

Diese und andere Orte
Wiengedichte – Reisegedichte

Andreas J. Obrecht

88 Seiten. Frankfurt: Haag & Herchen, 1991

Solange Du Flügel Hast Flieg
Erzählung

"Er könnte ihr von einem Sommer erzählen, der ihm unwirkliche scheint. Im Winter dieser Stadt haben die Erinnerungen an ihn keine Beständigkeit. Er könnte ihr von dieser Begegnung erzählen, von der er nicht weiß, ob sie vergangen oder geträumt. Er könnte ihr von diesem Jahr erzählen. Zwischen Erde und Himmel hängt diese Zeit als Bild: Er sieht sich auf sich zulaufen und im Moment der Berührung in Nichts aufgelöst…“

Andreas J. Obrecht

144 Seiten. Frankfurt: Haag & Herchen, 1988

Sommergedichte
​​

Andreas J. Obrecht

Wien: Europäischer Verlag, 1987

Wintergedichte

Andreas J. Obrecht

60 Seiten. Wien: Sensen Verlag, 1985

Die Wichtigkeit der Vorstellung
Poetische Betrachtungen

 

Eine Welt wird entworfen, in der es keinen Platz für Unwichtigkeiten gibt. Tagträume, Erinnerungen und Vorstellungen wechseln einander ab, sind zueinander in Beziehung gesetzt, füllen viele Lebens- und Erfahrungsbereiche mit alten Inhalten aus neuer Sicht: Liebe, Tod, das Bedürfnis Grenzen zu überwinden, Hoffnung auf… Aus der Wichtigkeit der Vorstellung wird die Wirklichkeit einer sinnvollen, zielgerichteten Lebensgestaltung. Der Autor erzählt aus seinem Leben und skizziert Wege, diesem Anspruch gerecht zu werden.

Andreas J. Obrecht

64 Seiten. Wien: Sensen Verlag, 1983

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